Insights 28.03.2025
Emissionen im Gebäudesektor liegen weit über den Klimazielen
Marc Pion

Der Gebäudesektor spielt eine zentrale Rolle bei der Reduktion von Treibhausgasemissionen, da Gebäude in Deutschland rund 36 % des Endenergieverbrauchs ausmachen. Doch die „Treibhausgas-Projektionen 2025 – Ergebnisse kompakt“ des Umweltbundesamtes zeigen: Die Emissionen im Gebäudesektor liegen weiterhin weit über den Klimazielen. Bis 2030 wird die kumulierte Emissionslücke voraussichtlich 110 Mio. Tonnen CO₂-Äquivalente betragen – eine massive Verfehlung der geplanten Reduktionen. Warum bleibt der Fortschritt aus, obwohl effektive Lösungen existieren?
Die steigende Emissionslücke: Woran kann die Wärmewende scheitern?
Trotz politischer Maßnahmen wie dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) und Förderprogrammen zur Gebäudesanierung sinken die Emissionen nicht in dem erforderlichen Tempo. Die Diskrepanz zwischen den ursprünglichen Erwartungen und der tatsächlichen Entwicklung hat sich 2024 noch einmal verschärft: Die Emissionslücke ist im Vergleich zur letzten Prognose um weitere 78 Mio. Tonnen CO₂-Äquivalente gewachsen.
Gründe für die schleppende Entwicklung:
Zu langsame Umsetzung der GEG-Vorgaben:
- Die 65-%-Regel des GEG, nach der neue Heizungen mindestens 65 % erneuerbare Energien nutzen müssen, wird schrittweise erst bis 2028 verpflichtend. Der Heizungsmarkt zeigt, dass Gebäudeeigentümer trotz gesetzlicher Vorgaben steigende Heizkosten nicht in ihre Investitionsentscheidungen einbeziehen.
Kürzungen bei Förderprogrammen:
- Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) wurde finanziell gekürzt. Weniger Fördermittel führen dazu, dass weniger Heizungen ausgetauscht und Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Das Ergebnis: höhere CO₂-Emissionen durch veraltete Heizsysteme.
Witterungsbereinigung der Emissionsdaten:
- Neue Berechnungen, die Wettereffekte berücksichtigen, zeigen für das erste modellierte Jahr höhere Emissionen als ursprünglich angenommen. Langfristig gleicht sich dies aus, aber kurzfristig verschärft es die Lage bis 2030 weiter.
Hoher Anteil fossiler Heizkessel bleibt bestehen:
- Bis 2045 werden nach aktuellen Projektionen weiterhin rund ein Drittel des Endenergiebedarfs für Raumwärme und Warmwasser durch fossile Kessel gedeckt, die nur schrittweise mit erneuerbaren Brennstoffen betrieben werden sollen.
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Ohne schnellere Umsetzung sind die Klimaziele nicht erreichbar
- Der Gebäudesektor droht die Klimaziele bis 2030 um 110 Mio. Tonnen CO₂-Äquivalente zu verfehlen.
- Förderkürzungen und verzögerte Gesetzesvorgaben bremsen die Dekarbonisierung massiv.
- Nur durch beschleunigte Investitionen in Wärmepumpen, Wärmenetze und intelligente Heizsysteme kann die Wärmewende gelingen.
Die Lösung liegt in der effizienten Nutzung erneuerbarer Energien und smarter Gebäudetechnologien wie PAUL Net Zero – jetzt müssen Politik, Kommunen, Unternehmen und Immobilieneigentümer gemeinsam handeln!
Sascha Müller, Vorstandsvorsitzender PAUL Tech AG
Effizienzgewinne und Energieeinsparung: Die positiven Entwicklungen
Trotz der negativen Trends gibt es Fortschritte. Bis 2045 wird der Energiebedarf für Raumwärme und Warmwasser um 35 % sinken. Dieser Rückgang ergibt sich aus zwei Faktoren:
- 85 % der Einsparungen resultieren aus Effizienzsteigerungen, also aus besseren Dämmstandards, intelligenter Heizungssteuerung und der Umstellung auf klimafreundliche Heizsysteme.
- 15 % der Einsparungen sind auf den Klimawandel selbst zurückzuführen – wärmere Winter bedeuten geringeren Heizbedarf.
Besonders die anhaltend hohen Emissionen im Verkehr und die gestiegene Zielverfehlung im Gebäudesektor verschärfen die ESR-Zielverfehlung deutlich. Damit steigen die Herausforderungen in diesen Sektoren, auch um Preissprünge im ETS 2 zu vermeiden. Zudem muss bei einem Anstieg der industriellen Produktionsmengen Klimaschutz mitgedacht werden, um Emissionsanstiege zu vermeiden. Auch mit Blick auf das Verfehlen der Langfristzielen 2040 und 2045 zeigt sich, dass die derzeitige Klimapolitik noch konsequenter hin zur Treibhausgasneutralität weiterentwickelt werden muss, um die festgelegten Ziele zu erreichen.
Auszug aus dem Fazit, Treibhausgas-Projektionen 2025 – Ergebnisse kompakt, Umweltbundesamt
Welche Maßnahmen sind jetzt entscheidend?
Um die Wärmewende zu beschleunigen, sind die folgenden Instrumente besonders wirksam:
Die Wärmewende gelingt durch Innovation statt teurer Sanierungen
- Über 11 Millionen Gebäude sollen bis 2045 mit Wärmepumpen beheizt werden.
- Etwa 3,5 Millionen Gebäude werden an Wärmenetze angeschlossen.
- Wärmepumpen, Photovoltaik und KI-geregelte Heizungssteuerung oder erneuerbare Fernwärme ermöglichen eine wirtschaftlich tragfähige Wärmewende ohne teure Sanierungen.
- Keine ineffizienten Dämmprojekte, sondern smarte Heizlösungen, die sich wirtschaftlich rechnen.
- Künstliche Intelligenz und digitale Steuerung sind der Schlüssel zu einer effizienten, kostengünstigen Wärmeversorgung – auch in älteren Bestandsgebäuden.
Gebäudeenergiegesetz (GEG)
Die 65-%-Regel wird als wichtigstes Instrument zur Emissionsreduktion angesehen. Ab 2028 sollen alle neuen Heizungen mit mindestens 65 % erneuerbaren Energien betrieben werden, was bis 2030 rund 12,2 Mio. Tonnen CO₂-Äquivalente einsparen soll.
CO₂-Bepreisung im Gebäudeenergiegesetz (BEHG)
Eine steigende CO₂-Bepreisung soll die Wirtschaftlichkeit emissionsarmer Heizungen verbessern und Eigentümer zum Handeln motivieren.